Aussterben


Aussterben
Extinktion (fachsprachlich)

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aus|ster|ben ['au̮sʃtɛrbn̩], stirbt aus, starb aus, ausgestorben <itr.; ist:
sich nicht mehr fortpflanzen und dadurch aufhören, auf der Erde zu existieren:
das Geschlecht, dieses Tier, diese Pflanze ist schon vor langer Zeit ausgestorben; <häufig im 2. Partizip> das Dorf lag ausgestorben (menschenleer) da.
Syn.: untergehen, vergehen, verschwinden, von der Erde verschwinden.

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aus||ster|ben 〈V. intr. 254; ist
1. sich nicht mehr fortpflanzen, von der Erde verschwinden (Volk, Geschlecht, Pflanzen, Tiere)
2. allmählich in Vergessenheit geraten (Brauch)
● die Straßen sind wie ausgestorben die Straßen sind menschenleer

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aus|ster|ben <st. V.; ist:
sich nicht fortpflanzen; zu bestehen aufhören:
eine Familie, Pflanze stirbt aus;
Mammuts sind ausgestorben;
<subst.:> vom Aussterben bedroht sein;
Ü diese Mundart, Sitte stirbt aus (es gibt bald niemanden mehr, der noch diese Mundart spricht, der diese Sitte weiter pflegt);
ein aussterbendes Handwerk.

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Aussterben,
 
das Verschwinden von Arten, Gattungen und Stämmen der Lebewesen im Laufe der stammesgeschichtlichen Entwicklung. Allgemein wird angenommen, dass das Aussterben z.B. einer Tier- oder Pflanzenart darauf beruht, dass sie sich Veränderungen der Umwelt nicht rasch genug anpassen kann und somit der natürlichen Auslese zum Opfer fällt. Hiervon besonders betroffen sind Organismen, die hoch spezialisiert sind, also eine besondere Anpassungsleistung an spezifischen Umweltbedingungen zeigen. Aussterben ist demnach zunächst ein normales Ergebnis der Evolution und notwendig mit der Entwicklung des Stammbaums verknüpft. So begünstigt das Aussterben bestimmter Gruppen die Entwicklung anderer, umgekehrt kann aber die Entwicklung bestimmter Arten zum Aussterben ihrer Konkurrenten oder Beutetiere führen. Ein Zusammenhang besteht auch zwischen Aussterben und dem Verschwinden geographischer Barrieren. Neue Landbrücken zwischen ehemals getrennten Kontinenten ermöglichten den Zugang möglicher Feinde oder Konkurrenten. So war Südamerika während des Tertiärs durch einen Meeresarm von Nordamerika getrennt und besaß bis zum Beginn des Pleistozäns eine von der nordamerikanischen deutlich unterschiedene Fauna. Nach der dann einsetzenden Bildung der Landbrücke wurden durch einwandernde Tiere Nordamerikas (allein 15 Säugetierfamilien) viele Arten Südamerikas, so z. B. die großen Raubbeutler, verdrängt; die Ausbreitung in umgekehrter Richtung erfolgte in wesentlich geringerem Ausmaß.
 
Die Datierung von Fossilien ergab, dass das Ausmaß des Aussterbens von Tier- und Pflanzenarten zeitlichen Schwankungen unterworfen war. So sind - neben mehreren kleineren - fünf große Ereignisse von Massenaussterben, auch als Faunenschnitte und Florenschnitte bezeichnet, bekannt. Sie zeigen in ihrem Auftreten eine gewisse Periodizität, die die Einwirkung äußerer physikalischer Einflüsse vermuten lässt. Die Befürworter einer Katastrophentheorie führen Massenaussterben auf ein einmaliges Ereignis (z. B. Einschlag eines Meteoriten) und dessen Folgen (z. B. globaler arktischer Winter durch große Staubmassen in der Atmosphäre) zurück. Wenn auch vereinzelt der Einschlag eines großen Meteoriten während des Zeitraums eines Massenaussterbens nachgewiesen werden konnte, so zeigte sich in vielen Fällen doch, dass das Aussterben in größerem Umfang schon lange vor dem jeweiligen Ereignis begonnen hatte. Demgemäß sehen die Gegner der Katastrophentheorie die Ursache für Massenaussterben in einer allmählichen Änderung der Lebensbedingungen. Diskutiert werden v. a. klimatische Veränderungen im Sinne einer weltweiten Abkühlung (vielleicht als Folge eines gewaltigen Vulkanausbruchs). So zog sich nach neueren Befunden das - wohl am besten untersuchte - Massenaussterben der Dinosaurier (Übergang Kreide/Tertiär) über einen Zeitraum von 3-4 Mio. Jahren hin. Die Untersuchung fossiler Eierschalen ergab v. a. bei den späteren Eiern pathologische Veränderungen, wie stark verdickte Schalen (Erstickungsgefahr für den Embryo) oder - in den meisten Fällen - zu dünne Schalen (Austrocknungsgefahr für das Ei), die auf Belastungen durch ökologische Veränderungen zurückgeführt werden. Verschiebungen im Mengenverhältnis von Sauerstoff (16O/18O)- und Kohlenstoff (12C/13C)-Isotopen in den kalkschaligen Eiern der Dinosaurier sowie Pollenanalysen zeigen, dass während dieses Zeitraums im mediterranen Raum ein Wechsel von heiß-trockenem zu gemäßigt-feuchtem Klima stattgefunden haben muss.
 
Mit dem Auftauchen des Menschen nahm das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten neue Dimensionen an (Ausrottung). Schon der prähistorische Mensch wird vielfach für das Aussterben von z. B. Mammut und Wollnashorn verantwortlich gemacht. In Afrika fiel die erste Welle des Aussterbens großer Tiere mit der Erfindung von Faustkeil und Speer in der Altsteinzeit zusammen, auf Madagaskar wurden nach Ankunft des Menschen vor etwa 1 000 Jahren die größeren Lemuren, viele Vögel und das Nilpferd ausgerottet. Ähnliche Ergebnisse liegen für alle Kontinente vor. Beispiele für in historischer Zeit ausgestorbene Tiere sind u. a. Stellersche Seekuh (1768), Quagga (1883), Wandertaube (1914, im Zoo), Karolinasittich (Anfang 20. Jahrhundert); zu den in den letzten Jahren in Mitteleuropa als ausgestorben gemeldeten Pflanzen gehören u. a. Kleefarn, Einfacher Rautenfarn, Wasserfalle. Dazu kommt eine große Anzahl Pflanzen und Tiere, die vom Aussterben bedroht sind. Ursachen hierfür sind u. a. übermäßige Bejagung von Wildtieren als Nahrung sowie zur Gewinnung von Pelzen, Häuten und anderen Produkten, Zerstörung des natürlichen Lebensraumes und der Nahrungsgrundlagen und zum Teil ausgedehnte Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Derzeit sterben täglich etwa 50 Arten aus. (bedrohte Pflanzen und Tiere, Rote Liste)
 
 
P. R. u. A. Ehrlich: Extinction. The causes and consequences of the disappearance of species (New York 1981);
 H. K. Erben: Leben heißt sterben. Der Tod des einzelnen u. das A. der Arten (1981);
 E. Lange: Warum sterben Tiere aus?, in: Natur u. Museum, Jg. 113 (1983); W. Ziegler: Sterben, A. u. Ausrotten, in: Natur u. Museum, Jg. 113 (1983); D. M. Raup: Ausgestorben. Zufall oder Vorsehung? (a. d. Amerikan., 1992);
 N. Eldredge: Wendezeiten des Lebens. Katastrophen in Erdgesch. u. Evolution (a. d. Engl., 1994).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Ausrottung von Arten
 
Artenschutzkonzept und Wiedereinbürgerung
 
Artensterben und Artenschutz
 
biologische Vielfalt und die Verantwortung des Menschen
 
Artenreichtum und Biodiversität: Wie viele Arten gibt es?
 
Artensterben: Gründe
 
Artensterben: Gegenmaßnahmen
 

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aus|ster|ben <st. V.; ist: sich nicht fortpflanzen; zu bestehen aufhören: eine Familie, Pflanze stirbt aus; Mammuts sind ausgestorben; seine Haare wachsen ihm über den Kragen hinab, als wären die Haarschneider ausgestorben (Frisch, Cruz 30); Der Ort ... schien wie ausgestorben zu sein (Kirst, 08/15, 749); <subst.:> vom Aussterben bedroht sein; Ü diese Mundart, Sitte stirbt aus (es gibt bald niemanden mehr, der noch diese Mundart spricht, der diese Sitte weiter pflegt); Dankbarkeit ist eine Eigenschaft, die langsam ausstirbt (Sebastian, Krankenhaus 193); ein aussterbendes Handwerk.

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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